5. Nutzen des Projektes


2. Wassergüte und Vorflutbeschaffung

  (19.05.2014)
Die Wasserführung der Marchfeldbäche in den 1980er Jahren war sehr gering und durch besonders schlechte Wasserqualität geprägt. Im Rußbach flossen meist unter 200 l/s – zu wenig um die kommunalen und sonstigen Belastungen ohne negative Folgewirkungen aufnehmen zu können. Der Stempfelbach war in seinem oberen Abschnitt überhaupt trocken gefallen oder durch eingeleitete Abwässer geprägt und so zu einer Kloake geworden. Beide Bäche wiesen über weite Strecken die schlechteste Gewässergüteklasse IV auf, Fische konnten vielfach nicht existieren.

Durch die Einbindung von Rußbach und Stempfelbach in das Marchfeldkanal-System wurden die Durchflussmengen in beiden Bächen auf ein Vielfaches ihres früheren Werts erhöht. Rund 4.000 bis 6.000 Liter qualitativ hervorragendes Donauwasser fließen heute pro Sekunde durch den Rußbach, etwa 250 l/s durch den Stempfelbach. Auch die Wasserqualität wurde damit entscheidend verbessert. Beide Bäche weisen die für Tieflandgewässer typische Gewässergüte II auf, der in der EU-Wasserrahmenrichtlinie geforderte "gute Gewässerzustand" ist erreicht. Damit wurden Rahmenbedingungen geschaffen, die es den Betreibern von Abwasserreinigungsanlagen im Marchfeld ermöglichen ihre Aufgaben der Abwasserreinigung in effizienter und wirtschaftlicher Weise zu erfüllen.

In Österreich müssen gereinigte Abwässer hohen Qualitätsanforderungen entsprechen. Neben den Vorgaben für das eingeleitete Wasser selbst sind auch Menge und Güte des aufnehmenden Gewässers (=Vorfluter) von Bedeutung. So wird ein kleiner Bach durch den Ablauf einer Kläranlage naturgemäß wesentlich stärker belastet als ein großer. Durch die Verbesserung der Vorflutverhältnisse in den Bächen des Marchfelds profitieren nicht nur ca. 20 Gemeinden sondern auch die wasserbezogenen Tierarten. Die Existenz von über 50 Fischarten – darunter sowohl "Rote Liste-Arten" als auch beliebte Speisefische – beweist deutlich den Wandel eines ehemals "toten Gewässers" zum artenreichen Biotop.

Im Sommer 2013 wurde sogar der für ausgestorben gehaltene Flusskrallenkäfer (potamophilus acuminatus) entdeckt – ein weiterer Hinweis für die gute Qualität der Gewässer des Marchfeldkanal-Systems.


 
Gewässergüte 1982.
Gewässergüte vor Errichtung des Marchfeldkanal-Systems.

Marchfeldbäche teilweise ausgetrocknet.
Marchfeldbäche teilweise ausgetrocknet.