Biber

Bereits kurze Zeit nach Inbetriebnahme des Marchfeldkanalsystems sind Biber in den neuen Gewässerverbund eingewandert und haben den naturnah gestalteten Lebensraum sofort angenommen. Im Laufe der Jahre haben sie sich stark vermehrt.

Ihre Spuren sind unverwechselbar: angenagte Baumstämme mit der typischen sanduhrförmigen Nagestelle, grobe Holzscharten, umgestürzte und entrindete Bäume, aufgeschlichtete Holzhaufen im Wasser und vereinzelt Bodeneinbrüche an den Ufern.

Immer wieder werden uns in Zusammenhang mit dem Bibervorkommen am Marchfeldkanal Fragen gestellt, die wir hier beantworten:

Warum wurden Biber am Marchfeldkanal angesiedelt?
Warum fällen Biber Bäume?
Wo und wie leben die Biber?
Wie groß und wie alt wird ein Biber?
Biber verursachen großen Schaden an Bäumen. Können die Biber wieder zurückgedrängt werden?
Kann verhindert werden, dass Bäume von Bibern gefällt werden?
Warum werden angenagte Bäume umgeschnitten und das Schnittholz nicht gleich entfernt?
An wen kann man sich bei Problemen wenden?

Biber



Warum wurden Biber am Marchfeldkanal angesiedelt?

Biber wurden am Marchfeldkanal nicht angesiedelt, sondern sind von den Donauauen zugezogen. Sie wurden ursprünglich, nachdem sie Mitte des 19. Jahrhunderts ausgerottet worden sind, in den Jahren 1976-1982 unter der Leitung des Biologen Prof. Otto König in den Donauauen wiederangesiedelt. Seither sind sie von hier aus in viele Gewässer des östlichen Bundesgebietes gezogen und haben sich stark vermehrt. Bibervorkommen gibt es in Niederösterreich an nahezu allen Gewässern im Weinviertel, Marchfeld, Tullnerfeld und im Südlichen Wiener Becken. In Wien sind Biber entlang der Donau, der Alten und der Neuen Donau, des Donaukanals, des Liesingbaches und der Wien sowie am Marchfeldkanal bekannt.
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Biber
Angenagter Biberbaum mit typischem Nagebild.



Warum fällen Biber Bäume?
Biber ernähren sich rein vegetarisch. Im Sommer fressen Biber vorwiegend krautige Pflanzen wie Rohrkolben, Schilf oder Seerosen sowie Jungtriebe und Blätter von gewässernahen Gehölzen. Aber auch Mais, Zuckerrüben, Raps oder Gemüse aus ans Gewässer angrenzenden Feldern stehen auf dem Speisezettel. Im Spätsommer oder Herbst wird auch gerne Fallobst gefressen.

Im Winter stellen die Biber die Nahrungsaufnahme um, da sie keinen Winterschlaf halten. Da keine krautigen Pflanzen oder Blätter zur Verfügung stehen sind sie gezwungen, die Knospen von Gehölzen sowie die Rinde von jungen Zweigen zu fressen. Um zu diesen zu gelangen fällen sie Bäume. Besonders beliebt sind Weichhölzer wie Weiden, Pappeln, Birken oder Haselnüsse. Stehen diese Arten nicht zur Verfügung, werden auch andere Laubhölzer wie Linden,, Ulmen, Eschen oder Buchen angenommen. Nadelgehölze, Eichen oder Erlen werden lediglich für Baumaßnahmen gefällt.. Sie werden gemeinsam mit den als Nahrung genutzten Gehölzen für die Errichtung von Biberburgen, den Unterkünften der Biber und zum Aufbau von Biberdämmen verwendet.

Es gibt Abschätzungen wonach eine Biberfamilie durchschnittlich ca. 50 Bäume pro Jahr fällt.
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Biber

Wasseraufstau durch Biberdamm.




Wo und wie leben die Biber?
Biber leben in einem Familienverband, der aus 2 – 3 Generationen mit durchschnittlich 4 – 6 Tieren besteht und ein "Revier", einen bestimmte Gewässerabschnitt, besiedelt. Dieses Revier wird gegen das Eindringen anderer Tiere verteidigt. Welche Länge so ein Revier tatsächlich aufweist, hängt vom Nahrungsangebot entlang der Gewässer d.h. im Wesentlichen von der Ausstattung mit Gehölzen ab. Die Revierlängen an den Marchfeldkanalgewässern mit dichtem Baumbestand sind daher nur wenige hundert Meter lang.

Geschlechtsreife Jungtiere müssen mit ca. 2 Jahren das elterliche Revier verlassen und einen neuen Lebensraum suchen. Dabei kann es bei einer bereits dichten Besiedelung zu Revierkämpfen unter den Jungtieren kommen, die manchmal auch tödlich enden. Derartige Beobachtungen gibt es bereits auch entlang des Marchfeldkanals.

Die Biber leben in Bauten, die sie entweder am Ufer als gegrabene Röhren oder im Wasser als Burgen, die aus Holzteilen zusammengefügt sind, errichten. Sie versuchen manchmal, durch den Bau von Querdämmen im Gewässer den Wasserspiegel soweit konstant zu halten, dass die Zugänge zum Biberbau ständig unter der Wasseroberfläche liegen. Das Innere des Biberbaus selbst wird über dem Wasserspiegel, im Trockenen, angeordnet.

Biber sind häufig erst in der Dämmerung zu sehen, da sie nachtaktiv sind und sich während des Tages in ihren Höhlen aufhalten.
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Biber
Gefahr durch umstürzende Bäume am Begleitweg.



Wie groß und wie alt wird ein Biber?
Die europäischen Biber (Castor fiber) sind die größten Nagetiere Europas und werden bis zu 30 kg schwer. Sie erreichen dabei eine Gesamtlänge von ca. 130 cm. Die mittlere Lebenserwartung kann mit 8 Jahren angegeben werden. Weibliche Tiere bekommen jährlich Nachwuchs mit 2-3 Jungen.
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Biber
Entfernung eines Biberholz-Querdammes.



Biber verursachen großen Schaden an Bäumen. Können die Biber wieder zurückgedrängt werden?
Die Biber gelten gemäß Flora-Fauna-Habitat (FFH) – Richtlinie als geschützte Tierart in Europa. Die nationalen Gesetzgebungen, im konkreten das NÖ-Naturschutzgesetz und das Wiener Naturschutzgesetz, bauen auf dieser Grundlage auf. Die Vorkommen der Biber und deren Lebensweise dürfen aus diesem Grunde grundsätzlich nicht gefährdet werden. Ausnahmen vom Schutz ermöglichen die rechtlichen Bestimmungen nur in jenen Einzelfällen, in denen die Bibervorkommen zu einer Gefährdung von Personen, Objekten oder Hochwasserschutzeinrichtungen führen können.
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Biber
Biberburg.



Kann verhindert werden, dass Bäume von Bibern gefällt werden?
Die Gehölze bilden im Winter die Nahrungsgrundlage der Biber. Die Biber sind daher gezwungen, Bäume zu fällen. Einzelbäume können durch Gitterung gegen Verbiss geschützt werden. Entlang des Marchfeldkanals wurden in den letzten Jahren viele hundert Bäume mit einem Schutzgitter umgeben. Dabei handelt es sich vor allem um größere Bäume entlang der Begleitwege und um kulissenbildende Bäume, die erhalten werden sollen. Da diese Arbeit sehr aufwendig ist, kann nur ein kleiner Anteilteil der Gehölze tatsächlich geschützt werden.
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Biber
Schutz vor (weiterem) Verbiss durch Gitterung des Baumstammes.



Warum werden angenagte Bäume umgeschnitten und das Schnittholz nicht gleich entfernt?
Sobald angenagte Bäume entdeckt werden, werden sie, wenn sie sich im Nahbereich von Wegen befinden, aus Sicherheitsgründen umgeschnitten. Die geschnittenen Bäume müssen im Herbst und Winter an der Uferböschung verbleiben, damit die Rinde und die Knospen für die Biber weiter als Nahrungsgrundlage dienen können. Eine sofortige Entfernung der Bäume würde die Biber nur zwingen, sofort einen weiteren Baum zu fällen, um damit zu Nahrung zu gelangen.
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Biber
Sanierung eines Dammeinbruches infolge Bibertätigkeit.



An wen kann man sich bei Problemen wenden?
Die Naturschutzabteilungen der Bundesländer Wien und Niederösterreich haben Fachleute beauftragt, Konflikte, die im Zusammenhang mit dem Bibervorkommen auftreten, zu lösen. Dieses "Bibermanagement" greift ein, wenn z.B. private Flächen durch Biberfraß betroffen sind, Biberdämme zu einem unerwünschten Wasseraufstau führen oder Gefährdungen zu befürchten sind.
Kontakt Wien
Kontakt Niederösterreich

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Biber
Gefahr einer Gewässerverklausung durch umstürzenden Baum.

Verwendete Literatur:
Der Biber. Die Rückkehr der Burgherren. Volker Zahner, Markus Schmidbauer und Gerhard Schwab. Buch und Kunstverlag Oberpfalz.